Weiterbildung in Zeiten des Wandels
Weiterbildung

Die Höheren Fachschulen HF als Orte des lebenslangen Lernens – das stösst auf breites Interesse, wie aus der aktuellen Salärstudie des ODEC hervorgeht. Die HF Uster setzt bereits auf Weiterbildung; sie macht durchwegs positive Erfahrungen damit.

«Älter werde ich stets, niemals lerne ich aus» – zu dieser Erkenntnis kam bereits der Weise Solon in der griechischen Antike. 2’500 Jahre später ist die Halbwertszeit des Wissens so kurz wie nie und kaum etwas ist derart konstant wie die ständige, schnelle Veränderung. Gerade im Berufsleben zeigt sich diese Entwicklung besonders stark: Was gestern noch galt, ist morgen schon überholt. Langfristige Unternehmensstrategien sind kurzlebig geworden.

Der Appell an lebenslanges Lernen ertönt von allen Seiten. «Bei einem starken strukturellen Wandel ist das lebenslange Lernen Pflicht, um arbeitsmarktfähig zu bleiben», schrieb der economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch kürzlich in einem Blog-Artikel. So erstaunt es wenig, dass der Weiterbildungsmarkt wächst und wächst. Bereits mehr als 2’500 Anbieter buhlen in der Schweiz um Lernwillige. Die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik sprechen eine klare Sprache.

Im Jahr 2016 besuchten 63 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Weiterbildung – plus 5 Prozent im Vergleich zur letzten Erhebung des Bundesamts für Statistik, durchgeführt im Jahr 2011. Ein klarer Anstieg zeigt sich auch bei den Arbeitgebern: 89 Prozent der Unternehmen unterstützen mittlerweile die Weiterbildungsaktivitäten
ihrer Mitarbeitenden, 83 Prozent waren es 2011.

Weiterbildungsangebote 1 DE

 

HF-Weiterbildung für Kadermitarbeitende
Wie gehen HF-Absolventen mit dieser Entwicklung um? Erste Erkenntnisse dazu liefert der ODEC in der aktuellen Salärstudie. Darin wurden HF-Absolventen und -Studenten gefragt, ob ein Wissens-Update an einer Höheren Fachschule für sie in Frage komme. Der Tenor ist klar: Für eine grosse Mehrheit von 70 Prozent der rund 3500 Umfrageteilnehmer ist ein Wissens-Update eine Option. Mit 77 Prozent am grössten ist das Interesse erwartungsgemäss bei den 41- bis 45-Jährigen – bei ihnen ist das HF-Studium meist schon etwas länger her und die Pensionierung liegt noch in weiter Ferne. Ein bemerkenswertes Resultat zeigt sich, wenn man die beruflichen Positionen anschaut. Für Kadermitarbeitende und Geschäftsleitungsmitglieder (je 72 Prozent) sind Wissens-Updates an einer HF nämlich am ehesten eine Option. Ein Blick auf das Interesse in den verschiedenen Branchen ist ebenfalls lohnenswert, da die Unterschiede grösser sind: Bei Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitswesen sowie im Bildungsbereich stösst eine HF-Weiterbildung auf das grösste Interesse. 78 respektive 77 Prozent interessieren sich dafür. Das Schlusslicht bildet das Bank- und Versicherungswesen (64 Prozent) sowie die Informatik (62 Prozent).


Als Gast im Unterricht
Auch die Höheren Fachschulen sind interessiert, vom Weiterbildungskuchen ein Stück abzuschneiden. Rolf Berger, Marketingleiter der Höheren Fachschule Uster HFU, bringt es auf den Punkt: „Die Fachhörer helfen uns, den Deckungsbeitrag unserer HF-Lehrgänge zu steigern.“ Die HFU ist eine der wenigen Schulen, die Weiterbildungswilligen die Möglichkeit bietet, Fachmodule und Kurse von all ihren HF-Lehrgängen einzeln zu besuchen. Der Zeitaufwand pro Modul liegt bei durchschnittlich 36 Lektionen, dazu kommen die Hausaufgaben. Auch wenn die HFU ihre Modulstudierenden lediglich als „Fachhörer“ bezeichnet, so bildet der Abschluss dennoch eine benotete Prüfung, deren Resultat auf der Kursbestätigung ersichtlich ist. Wer danach Lust auf den ganzen Studiengang verspürt, kann sich das bereits besuchte Fachmodul anrechnen lassen. Doch nicht nur die Lerninhalte an sich bringen die Fachhörer weiter. „Der Erfahrungsaustausch zwischen den regulären Studierenden und den Fachhörern ist für beide sehr wertvoll“, weiss Rolf Berger.
Das bestätigt auch Timon Löffel, der zu den derzeit jährlich rund 200 Fachhörern an der Höheren Fachschule Uster gehört. Bereits während seines Studiums zum dipl. Techniker HF Telekommunikation besuchte er Betriebswirtschaft-Module. Nach einer schulfreien Zeit entschied er sich, auch den Rest des Nachdiplomstudiums zu absolvieren. Seine Motivation? „Natürlich wollte ich meine Berufsperspektiven verbessern. Die Lernfreude spielte aber eine ebenso grosse Rolle“, erklärt der 31-Jährige gelernte Elektromonteur. So schliesst Timon Löffel auch nicht aus, dass er weitere Fachmodule an einer HF besuchen wird.


Präsenzunterricht nach wie vor Spitzenreiter
Rolf Berger sieht im Weiterbildungsbereich grosses Potential für Höhere Fachschulen. Mehr Fachhörer an der HFU zu begrüssen ist sein erklärtes Ziel. Doch wünschen sich die Weiterbildungswilligen wirklich den klassischen Präsenzunterricht, wie ihn die Schule anbietet? Die ODEC-Salärstudie zeigt ganz klar: Ja! Bei einer grossen Mehrheit von 80 Prozent zählt der Frontalunterricht zu den beliebtesten Unterrichtsformen – dem Digitalisierungsboom zum Trotz. In die gleiche Kerbe schlägt die Weiterbildungsstudie 2017/2018 des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung SVEB. Sie ermittelte, dass für 90 Prozent der Weiterbildungsanbieter der Präsenzunterricht an erster Stelle steht. Rund die Hälfte von ihnen setzt zudem begleitend digitale Anwendungen wie Lernplattformen und soziale Medien ein.
In der ODEC-Studie auf Platz zwei rangiert weit abgeschlagen das E-Learning mit 24 Prozent. An dritter Stelle liegt das Blended Learning, eine Kombination aus Frontalunterricht und E-Learning: 18 Prozent der Umfrageteilnehmer mögen diese Unterrichtsform. Die Zustimmung hierfür dürfte allerdings effektiv höher sein, da der Begriff noch nicht sehr verbreitet ist in der Schweiz. Nur 13% würden ihr Wissens-Update gerne in Form eines Fernstudiums absolvieren.
Lebenslanges Lernen – die Prämisse steht. Das Interesse an Wissens-Updates an Höheren Fachschulen ist gross, wie der ODEC aufzeigen konnte. Nun heisst es: Die Chance nutzen und entsprechende Angebote schaffen.