Einblick in die Welt der Pflege HF
Das Studium Pflege HF vereint Fachkompetenz, Verantwortungsbewusstsein und Menschlichkeit. Es bereitet auf einen Beruf vor, der anspruchsvoll, vielseitig und unmittelbar wirksam ist – und dessen Bedeutung in Zukunft weiter wachsen wird.
Von Kay Uehlinger
Wer das Studium Pflege HF absolviert, wählt einen Beruf mit grosser Verantwortung und gesellschaftlicher Relevanz. Die Ausbildung befähigt Fachpersonen, komplexe Pflegesituationen zu erfassen, passende Massnahmen zu planen und deren Umsetzung zu verantworten. Reflexionsfähigkeit, Empathie und die Fähigkeit, in herausfordernden Situationen klar zu entscheiden, zählen zu den zentralen Stärken.
Zwei Expertinnen, Dr. Katja Hornung, Rektorin und Leitung HF-Pflege beim Bildungszentrum Gesundheit& Soziales Kanton Glarus, und Dr. Petra Metzenthin, Leiterin Bereich Ausbildung Schule beim Berner Bildungszentrum Pflege, geben uns einen umfassenden Einblick in das Studium Pflege HF.
Die Expertinnen betonen, dass diplomierte Pflegefachpersonen HF den gesamten Pflegeprozess verantworten– von der Bedarfsabklärung über die Planung bis hin zur Evaluation. Dabei berücksichtigen sie sowohl medizinisch-pflegerische als auch ethische und soziale Aspekte. «Diplomierte Pflegende HF übernehmen zusätzlich pädagogische und organisatorische Aufgaben», heisst es. Sie begleiten Lernende, führen Teams und wirken aktiv an der Qualitätsentwicklung mit.
Ein Beruf mit unzähligen Facetten
Das Einsatzgebiet ist äusserst breit und reicht von der Geburtshilfe bis zur palliativen Pflege, von Akutspitälern über psychiatrische Kliniken bis zur Spitex oder Rehabilitation. Auch Bereiche der Prävention, der Gesundheitserhaltung und der Beratung gehören dazu, ergänzt Hornung. Zunehmend übernehmen Pflegefachpersonen HF ausserdem Funktionen im Case Management, in Projekten und in der interprofessionellen Zusammenarbeit. Diese Vielseitigkeit mache sie, so Metzenthin, «unverzichtbar für ein funktionierendes Gesundheitssystem».
Praxisnähe als Markenzeichen der HF-Ausbildung
Obwohl die Ausbildung an der Höheren Fachschule und an der Fachhochschule beide zur Tätigkeit als diplomierte Pflegefachperson führen, unterscheiden sie sich deutlich in Struktur und Zielsetzung. Das HF-Studium ist praxisnah konzipiert und verbindet Unterrichtsphasen eng mit praktischer Tätigkeit. «Die Fachhochschule ist stärker wissenschaftlich-theoretisch ausgerichtet und fokussiert auf Forschung und evidenzbasierte Praxis», erläutert Hornung konkret.
Der Zugang zur HF erfolgt meist über eine abgeschlossene Berufslehre– häufig als Fachfrau oder Fachmann Gesundheit EFZ. Viele Studierende bringen somit bereits wertvolle Berufserfahrung mit. Zudem wird die Ausbildung von Kantonen und Arbeitgebern mitfinanziert, was sie auch wirtschaftlich attraktiv macht. HF-Absolventinnen und -Absolventen stehen zahlreiche Weiterbildungen offen– etwa Nachdiplomstudiengänge, Fachvertiefungen oder Leadership-Programme.
Fachkräftemangel als gesellschaftliche Herausforderung
Der Fachkräftemangel bleibt jedoch eine der grössten Herausforderungen im Pflegebereich. Die Ursachen liegen in der demografischen Entwicklung, in steigenden Anforderungen und in der hohen Arbeitsbelastung. Zeitdruck, Schichtarbeit und körperliche wie emotionale Belastungen führen nicht selten zu frühen Berufsausstiegen. «Wenn nicht gegengesteuert wird, nimmt die Belastung der Berufstätigen weiter zu und die Versorgungsqualität und -sicherheit leidet», meint Metzenthin.
Eine Chance sehen die Expertinnen in Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern. Sie brächten Lebenserfahrung und Kompetenzen aus anderen Branchen mit, was ein enormes Potenzial für die Pflege HF bedeute. Dieses Potenzial könne durch flexible Studienmodelle, Brückenangebote oder modulare Lernkonzepte gezielt gefördert werden.
Pflege trifft auf künstliche Intelligenz
Auch die Digitalisierung wird die Pflege nachhaltig prägen. Künstliche Intelligenz (KI) könnte Pflegefachpersonen künftig von administrativen Aufgaben wie Dokumentation, Terminplanung oder Materialverwaltung entlasten. «So bleibt mehr Zeit für die direkte Betreuung und Beziehungsarbeit», sagt Metzenthin. KI-Tools könnten zudem Daten von Patienten und Patientinnen analysieren, Muster erkennen und Fachpersonen bei Entscheidungen unterstützen.
Im Bereich der Assistenzrobotik und verkörperten KI sieht Katja Hornung ebenfalls grosse Chancen. Insbesondere in Ländern wie Japan oder China seien Sozialroboter zur Ergänzung der Grundversorgung bereits etabliert. Gleichzeitig bleibe der Mensch im Zentrum, wie Petra Metzenthin anfügt. «Entscheidend ist, dass Pflegefachpersonen HF lernen, diese Technologien reflektiert einzusetzen, und die ethischen Aspekte stets im Blick behalten.»
Serie «Vorstellung von Fachrichtungen HF»
Es gibt über 55 HF-Fachrichtungen, alle mit hohen Ausbildungsstandards. In jedem Bulletin stellen wir eine davon vor.
Alle HF-Bildungsgänge & weiterführende Bildung auf einen Blick: www.odec.ch/uebersicht-hf