Vom HF-Studium zum eigenen Unternehmen

Eberhard Basil Portrait

Basil Eberhard nutzte die Pandemie, um sich weiterzubilden, und verwandelte seine Leidenschaft in ein eigenes Konzept. Im Interview erzählt er, wie ihn Studium und Praxis inspirierten, welche Hürden er meisterte und wie er selbst «Warmduscher» ins kalte Wasser lockt.

Mit Basil Eberhard* sprach Jsabelle Tschanen

Basil Eberhard, Sie haben nach Ihrer kaufmännischen Lehre das HF-Studium Marketingmanagement begonnen. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Nach meiner kaufmännischen Ausbildung wollte ich mich einer neuen Herausforderung stellen. Mein Job gefiel mir zwar, doch ich spürte den Drang, mich weiterzuentwickeln. Für den nächsten Schritt fehlten mir jedoch das theoretische Fundament und neues Wissen. Als die Covid-Pandemie die Welt stoppte, entschied ich, diese Zeit in mich und meine Ausbildung zu investieren.


Während des Studiums arbeiteten Sie bei der Tecnica Group im Marketing für die Marke «Blizzard-Tecnica». Wie liess sich Beruf und Weiterbildung vereinbaren – und hat Sie Ihr Arbeitgeber dabei unterstützt?

Mein Arbeitgeber hat mich damals enorm unterstützt, vor allem durch eine Pensumreduktion, grosse Flexibilität und viel Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich. Gerade die Anfangszeit war herausfordernd, weil durch die Pandemie alles online stattfand und man sich erst einmal an diesen neuen Rhythmus gewöhnen musste. Ich habe aber schnell festgestellt: Mit einer sauberen Organisation und der nötigen Selbstdisziplin lassen sich Job und Studium wunderbar unter einen Hut bringen.


War die Selbstständigkeit bereits beim Studienbeginn ein konkretes Ziel?

Nein, das war anfangs kein konkreter Plan. Der Wunsch nach Selbstständigkeit ist erst im Laufe der Zeit gewachsen, und das Studium war dabei ein entscheidender Katalysator. Ich habe zwar schon früher leidenschaftlich gerne Schwimmunterricht gegeben, aber erst durch meine Diplomarbeit habe ich gemerkt, wie viel Potenzial in dieser Idee steckt und dass ich meine Leidenschaft tatsächlich zum Beruf machen kann.


Ihre heutige Schwimmschule «BE SWIMMING» entstand im Rahmen Ihrer HF-Diplomarbeit. Wie ist diese Idee entstanden und wann wurde aus dem Konzept Realität?

Das war eher ein Zufall. Ich fuhr damals mit dem Rennvelo zur Schule und nahm es mit ins Klassenzimmer. Mein Dozent Matthias Bamert sprach mich darauf an und fragte, ob ich Triathlon mache. So kamen wir ins Gespräch, und ich erwähnte nebenbei, dass ich als Schwimmlehrer arbeite. Nachdem ich ihm einige Coaching-Tipps gegeben hatte, war er so begeistert, dass er mich motivierte, daraus das Thema meiner Diplomarbeit zu machen. So entwickelte sich Schritt für Schritt das Konzept meiner eigenen Schwimmschule.


Inwiefern half Ihnen die Praxisorientierung des HF-Studiums bei der Gründung Ihres Unternehmens?

Die Praxisorientierung war Gold wert. Ich konnte mich schon in früheren Semesterarbeiten intensiv mit Themen wie Konkurrenzanalysen oder Marktpositionierung auseinandersetzen. Ich habe mir dieses Wissen nicht nur theoretisch angelesen, sondern direkt als «Testfeld» für meine spätere Gründung genutzt. Als es ernst wurde mit BE SWIMMING, konnte ich das erarbeitete Wissen 1:1 auf meinen Brand anwenden.


Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Die wohl grösste Herausforderung war der Mut zur Lücke – also mich wirklich nur auf eine einzige Sache zu fokussieren. Ich musste die Idee, klassischen Pool-Unterricht anzubieten, komplett beiseitelegen und mich zu 100Prozent auf das Thema «Outdoor» konzentrieren. Anfangs war das eine emotionale Achterbahnfahrt. Es ist nicht einfach, bei all den Möglichkeiten den Fokus zu wahren, den roten Faden im Konzept zu behalten und eine saubere, funktionierende Struktur aufzubauen.

eberhard_basil_schwimmen

 

Ihre Schwimmschule findet ausschliesslich outdoor statt: Welches Konzept steckt dahinter, und wie locken Sie auch Skeptiker ins kalte Wasser?

Auch wenn ich mittlerweile Lektionen im Hallenbad anbiete, schlägt das Herz von BE SWIMMING ganz klar draussen. Ehrlich gesagt, entstand das Konzept anfangs aus der Not heraus: Die mangelnde Infrastruktur und die extrem knappen Wasserzeiten in den Schweizer Hallenbädern zwangen mich dazu, nach draussen auszuweichen. Durch meine Konkurrenzanalyse im Studium habe ich dann aber erkannt, dass dieser vermeintliche Nachteil mein grösster Vorteil ist: Ich kann mich durch den klaren Outdoor-Fokus deutlich vom Markt abheben.

Meine Devise lautet: «Eifach probierä.» Wenn du es nicht ausprobierst, weisst du nicht, wie es sich anfühlt. Ein Sprichwort sagt: «A smooth sea never made a skilled sailor.» Wer draussen schwimmt, lernt wirklich schwimmen – man muss mit Wellen, Wind und wechselnden Bedingungen klarkommen. Es ist ein echtes Naturerlebnis, das die Leute aus ihrer Komfortzone holt. Und das Gefühl danach ist unbeschreiblich. Ich war selbst überrascht, wie viele Menschen dafür offen sind und am Ende völlig begeistert aus dem See steigen.


Kurz nach Ihrem HF-Abschluss traten Sie dem ODEC bei und tragen nun den Verbandstitel «Professional Bachelor ODEC». Welchen Mehrwert bringt Ihnen der ODEC?

Der Verbandstitel ist für mich ein starkes Qualitätsmerkmal. Gerade wenn man auch über die Landesgrenzen hinausschaut und sich beispielsweise bei internationalen Schulen als Partner bewirbt, dient der Verbandstitel als sehr starke, anerkannte Referenz, die Vertrauen schafft. Darüber hinaus bietet der Verband ODEC ein extrem starkes Netzwerk. Es ermöglicht mir, wertvolle Kontakte zu knüpfen.


Sie haben in Asien die Grundschule besucht. Wie hat Sie diese internationale Prägung beeinflusst?

Sie hat mir eine grosse Offenheit mit auf den Weg gegeben. Man lernt früh, wie man mit unterschiedlichsten Kulturen und Perspektiven umgeht. Spannenderweise hat diese Zeit auch den Grundstein für BE SWIMMING gelegt: Ich bin dort ausschliesslich draussen geschwommen. Das Outdoor-Schwimmen ist also gewissermassen seit meiner Kindheit fest in mir verankert.


Welche Rolle spielt Sport generell in Ihrem Leben?

Sport nimmt seit jeher einen grossen Stellenwert in meinem Leben ein und ist mein täglicher Anker. Wenn ich morgens als Erstes Sport treibe, gibt mir das Energie, Motivation und einen klaren Kopf für den restlichen Tag. Ich bin dadurch produktiver, ausgeglichener und fühle mich einfach rundum gut.

 

Welche Ziele verfolgen Sie in den nächsten fünf Jahren?

Unternehmerisch möchte ich in den nächsten Jahren eine solide Basis schaffen und mit BE SWIMMING nachhaltig wachsen. Mein grösstes Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit Schulen Pilotprojekte zu starten, um das Outdoor-Schwimmen in den Schulsport zu integrieren. Ich möchte den Kindern zeigen, dass das Schwimmen im See ein tolles Abenteuer ist. Gleichzeitig könnten wir auf diese Weise im «Winterhalbjahr» die stark überlasteten Hallenbäder entlasten. Mir liegt es sehr am Herzen, den Schwimmsport in der Schweiz nachhaltig zu fördern und zugänglicher zu machen. Es ist essenziell, dass Kinder früh und regelmässig Schwimmunterricht erhalten – das darf in einem Land wie der Schweiz nicht an fehlenden Poolzeiten scheitern. Daran möchte ich etwas ändern.

 

*Steckbrief

Name: Basil Eberhard

Jahrgang:1995

Wohnort: Cham

ODEC-Mitglied: seit 2024

Aktuelle berufliche Tätigkeit: Gründer «BE SWIMMING»

Lehre: Kaufmann

HF-Studium: Marketingmanagement

Hobbys: Schwimmen, Surfen, Padelspielen, Reisen, Lesen