Kommunikationsdesign HF: Gestalten allein genügt nicht mehr

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Kommunikationsdesignerinnen und -designer HF müssen heute weit mehr können als visuell überzeugen. Sie analysieren, beraten, koordinieren und tragen Verantwortung in zunehmend komplexen Projekten. Drei Experten zeigen, wie sich das Berufsbild zwischen Kreativität, Strategie und Technologie weiterentwickelt.

Von Jsabelle Tschanen

Kreativität braucht Kontext

Gute Gestaltung fällt auf und entsteht nicht zufällig. Kommunikationsdesignerinnen und -designer HF entwickeln ihre Lösungen auf Basis von Briefings, Analysen und strategischen Überlegungen. Christian Theiler, Leitung HF Visuelle Gestaltung, und Alessandro Di Stefano, Leitung HF Interaction Design der Schule für Gestaltung Zürich, betonen, dass konzeptionelle und gestalterische Kompetenzen untrennbar miteinander verbunden sind und ästhetische, funktionale sowie technische Anforderungen gleichermassen berücksichtigt werden, unabhängig davon, ob analog, digital oder interaktiv gearbeitet wird. «Wer plant, steuert, leitet und berät, braucht Neugier, kreatives Denken, kritische Reflexion und ein hohes Mass an Eigenverantwortung.»

Auch Kathrin Lettner, Prorektorin am GBS St.Gallen der Abteilung Schule für Gestaltung Weiterbildung, weist darauf hin, dass Gestaltung nur dann Wirkung zeigt, wenn Botschaften präzise vermittelt werden. Design sei Kommunikation: «Inhalte müssen verstanden, eingeordnet und überzeugend umgesetzt werden.» Gerade in einem visuell überfüllten Marktumfeld mache eine kundengerechte, oft überraschende Gestaltung den entscheidenden Unterschied.

Beratung, Prozesse und Verantwortung

Kommunikationsdesign HF bedeutet nicht nur Entwerfen, sondern auch Begleiten und Entscheiden. Theiler und Di Stefano beschreiben den Designprozess als strukturierten, iterativen Ablauf: von Recherche und Analyse über Strategie, Kreation und Prototyping bis hin zu Testing, Produktion und Debriefing, stets im Dialog mit den Auftraggebenden und unter Einbezug betriebswirtschaftlicher Überlegungen.

Lettner beschreibt denselben Prozess aus der Praxisperspektive als kooperativen Weg. Design entstehe im Austausch, Lösungen würden gemeinsam entwickelt, überprüft und weitergedacht.

«Ausgebildet werden Persönlichkeiten, die mit kreativer Intelligenz und Verantwortung inspirierende Lösungen für Menschen gestalten.»
Kathrin Lettner


Die drei Experten unterstreichen, dass HF-Diplomierte dabei häufig Projektverantwortung übernehmen, interdisziplinäre Teams koordinieren und Budgetverantwortung tragen.

Vertiefungen: breite Basis und spezialisierte Profile

Die Fachrichtung Kommunikationsdesign HF bietet unterschiedliche Vertiefungen. Diese reichen von Animation und Motion Design, Film und audiovisuelle Medien, Fotografie, Design und Commercial Art über Raumgestaltung, Illustration und Comic bis hin zu Interaction Design und Visuelle Gestaltung.

Für diese vielseitigen Profile bauen die Studierenden auf einer gestalterischen Vorbildung auf und vertiefen gezielt konzeptionelle, strategische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten. Gleichzeitig ermöglichen Kurse auch Quereinsteigern den Einstieg in die Höhere Fachschule.

Sowohl am GBS St.Gallen wie auch an der Schule für Gestaltung Zürich liegt der Fokus bewusst auf Interaction Design und Visueller Gestaltung, da diese Profile eine grosse Medienbreite abdecken und in der Praxis häufig verbindende Schnittstellenfunktionen übernehmen. Theiler und Di Stefano beschreiben sie als «die Schweizer Sackmesser unter den Schwerpunkten im Kommunikationsdesign».

Auch Lettner beschreibt eine enge Verzahnung der beiden Vertiefungen. Unterschiede zeigen sich vor allem in den Aufgabenstellungen der Semesterprojekte, und Interactive Media Designer arbeiten enger mit Programmierern zusammen. Gerade im digitalen Umfeld sei es wichtig, Möglichkeiten und Grenzen früh mitzudenken und Gestaltung und technische Umsetzung aufeinander abzustimmen.

Vielfältige Berufsfelder

Entsprechend breit sind die Einsatzgebiete von HF-Diplomierten. Christian Theiler und Alessandro Di Stefano nennen Agenturen, interne Kommunikations- und Designabteilungen, Start-ups sowie öffentliche und kulturelle Institutionen. Je nach Situation sind sie Teil interdisziplinärer Teams oder arbeiten selbstständig an Projekten.

Kathrin Lettner ergänzt, dass Kommunikationsdesignerinnen und -designer sowohl klassische Kampagnen von Marken realisieren als auch ganze Marktauftritte oder Museums- oder Messegestaltungen konzipieren. In beiden Fällen übernehmen sie nicht selten leitende Rollen.

KI: Werkzeug mit Verantwortung

Die Designbranche ist von jeher durch eine hohe Adaptionsgeschwindigkeit gegenüber technologischen Neuerungen geprägt. Entsprechend wird in der HF-Fachrichtung Kommunikationsdesign Künstliche Intelligenz (KI)  kontinuierlich in die Ausbildung integriert. Die Lehrpläne würden laufend auf die sich wandelnden Berufsbilder reagieren, bestätigen die Experten beider Höherer Fachschulen. In der Visuellen Gestaltung kommt KI heute in allen Phasen des Workflows zum Einsatz, während sie im Interaction Design zunehmend als Bestandteil digitaler Produkte und Services an Bedeutung gewinnt.

Der Einsatz von KI erfordert dabei ein hohes Mass an Reflexion und Verantwortung. Der moderierte und bewusste Umgang mit neuen Technologien gilt als zentrale Kompetenz von Kommunikationsdesignerinnen und -designern. Gleichzeitig verschiebt sich der Schwerpunkt der HF-Ausbildung verstärkt in Richtung Beratung und strategischer Entscheidungsfähigkeit. Kathrin Lettner meint dazu, dass KI zwar «Tausende Bilder generieren» könne, die entscheidende Frage jedoch bleibe: Welche Bildidee für den Kunden die richtige ist, welche zu seinem Markenauftritt und seiner Philosophie passt und welche hilft, seine Ziele zu erreichen. Diese Beurteilungs- und Vermittlungskompetenz könne nicht automatisiert werden und setze fundiertes gestalterisches Urteilsvermögen voraus.

Ergänzend halten Christian Theiler und Alessandro Di Stefano fest, dass KI im Gestaltungsprozess nicht nur Werkzeuggestalt habe, sondern «Leistungen ersetzen oder als Sparringpartner dienen» könne, zugleich jedoch «kritisch einzuordnen und verantwortungsvoll einzusetzen» sei.

«Der moderierte und reflektierte Einsatz von KI wird von Kommunikationsdesignerinnen und -designern erwartet.»
Christian Theiler / Alessandro Di Stefano

Fazit

Kommunikationsdesign HF positioniert sich zunehmend als anspruchsvolle Schnittstellendisziplin, in der gestalterische Qualität, technologische Kompetenz und strategische Verantwortung untrennbar zusammengehören. HF-Diplomierte übernehmen Verantwortung in komplexen Projekten, beraten Auftraggebende und treffen fundierte gestalterische Entscheidungen. Kreativität bleibt dabei zentral, entfaltet ihre Wirkung jedoch erst im Zusammenspiel mit Analyse, Kontextverständnis und einem reflektierten Umgang mit neuen Technologien. Der neue Titelzusatz «Professional Bachelor» (Einführung gemäss Bund im Spätsommer) macht sie dann auch noch international verständlich. 

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