20 Jahre Beharrlichkeit des ODEC
Mit der Revision des Berufsbildungsgesetzes (BBG) im Dezember 2025 wurde ein zentraler Schritt zur Stärkung der Höheren Berufsbildung vollzogen. Der Entscheid ist das Ergebnis von über zwei Jahrzehnten konsequenter Verbandsarbeit des ODEC – und ein klares Signal für die Zukunft der Höheren Fachschulen und der Höheren Berufsbildung.
Von Urs Gassmann
Die Revision des Berufsbildungsgesetzes (BBG), vom Parlament beschlossen im Dezember 2025, markiert keinen Zufall und keinen politischen Schnellschuss. Sie ist das Ergebnis von über 20 Jahren konsequentem, fachlich fundiertem und oft unbequemen Einsatz für die Stufe HF. Aufgegleist wurde dieser Weg durch den ODEC, der seit 2006 unbeirrt eine bessere Anerkennung, Sichtbarkeit und Einordnung der HF-Abschlüsse fordert – national wie international. Ab den Jahr 2015 fanden immer mehr Verbände diesen Weg als zielführend.
Titelzusätze schaffen Klarheit und Vergleichbarkeit
Was lange blockiert, relativiert oder kleingeredet wurde, ist nun Gesetz: Mit den neuen Titelzusätzen «Professional Bachelor» und «Professional Master» wird unmissverständlich, national und international klargestellt, dass Abschlüsse der Höheren Berufsbildung (HBB) zur Tertiärbildung gehören. Diese Klarheit war überfällig. Sie schafft Vergleichbarkeit, beseitigt jahrelange Erklärungsnot und stärkt die Position der HF-Diplomierten im Arbeitsmarkt – dort, wo Leistung zählt und nicht akademische Symbolik.
Warum Fortschritt nicht allen gefällt
Dass diese Entwicklung nicht allen passt, überrascht nicht. Die Höhere Berufsbildung stellt bestehende Bildungsnarrative infrage. Sie zeigt, dass exzellente Fach- und Führungskräfte nicht zwingend aus akademischen Vollzeitstudien hervorgehen müssen, sondern aus praxisintegrierten, arbeitsmarktnahen Bildungswegen. Genau hier liegt ihre Stärke – und genau deshalb stösst sie auch auf Widerstand.
Die neuen Titelzusätze als strategischer Durchbruch
Die neu eingeführten Titelzusätze sind kein Endpunkt, sondern ein strategischer Durchbruch. Sie machen auf den ersten Blick sichtbar, was die HBB seit jeher auszeichnet: hohe Bildungsrendite, tiefe Arbeitslosigkeit, unmittelbare Einsatzfähigkeit. Auch die aktuellen Studien und Berichte aus dem Jahr 2025 bestätigen dies eindrücklich. Die Höhere Berufsbildung bildet nicht am Bedarf vorbei aus, sondern für die Wirtschaft, mit der Wirtschaft. Ihre Bildungspläne entstehen dort, wo Wertschöpfung stattfindet – nicht im Elfenbeinturm.
Antwort auf Fachkräftemangel und Kostenrealität
Während Hochschulangebote weiter ausgebaut werden, obwohl der Arbeitsmarkt diese Absolventenzahlen längst nicht mehr aufnehmen kann, liefert die Höhere Berufsbildung konkrete Antworten auf den Fachkräftemangel. Sie bindet Arbeitskräfte im Markt, verursacht tiefere volkswirtschaftliche Kosten und verhindert den Verlust wertvoller Arbeitsressourcen durch lange Vollzeitstudien ohne Praxisbezug.
Fazit: Wirkung durch Haltung und Beharrlichkeit
Der Entscheid von 2025 ist deshalb mehr als eine Gesetzesanpassung. Er ist ein bildungspolitischer Meilenstein, aber kein Endpunkt. Die Höhere Berufsbildung ist heute sichtbarer, verständlicher und besser positioniert als je zuvor. Dass dieser Fortschritt möglich wurde, ist auch dem langjährigen Einsatz des ODEC zu verdanken. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie diese Stärkung weiter genutzt und ausgebaut wird – im Interesse der HF-Diplomierten, der Höheren Fachschulen, der Wirtschaft und der Gesellschaft.
Ausführliche Informationen und die Änderungen des Berufsbildungsgesetzes (BBG) sind im Bericht «Reformpaket des SBFI» aufgeführt: Zum Bericht