Bildungsbericht 2018: ein Mini-Platz für die Höheren Fachschulen
Bildungsbericht 2018

Der Bildungsbericht 2018 wiegt schwer: 330 Seiten umfasst das Werk, das von der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) unter der Leitung des Bildungsökonomen Stefan Wolter verfasst wurde. Davon ist lediglich eine Seite ausschliesslich den Höheren Fachschulen gewidmet.

Seit 2010 gibt der Bund zusammen mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) einen Bildungsbericht heraus. Der nunmehr dritte Bericht ist ausführlich, bildet er doch alle Stufen des Schweizerischen Bildungssystems ab. Die Höheren Fachschulen als eigenständige Bildungsstufe, mit jährlich über 8‘500 Absolventen, nehmen allerdings einen ganz bescheidenen Anteil ein: Nur eine einzige Seite ist ihnen gewidmet. Die Höheren Fachschulen sind im Kapitel „Höhere Berufsbildung“ integriert, welches ebenfalls einen bescheidenen Umfang aufweist. Eine weitere Marginalisierung findet sich in der Legende einer Statistik, welche den Anteil Personen mit Tertiärabschluss in den drei obersten Berufskategorien aufzeigt. Hier sind „Personen, die einen Hochschulabschluss besitzen“ aufgelistet sowie „Personen, die nur eine höhere Berufsbildung als höchsten Bildungsabschluss haben“. Das Wort „nur“ ist bezüglich des Bildungsabschlusses absolut fehl am Platz, stellt doch die Höhere Berufsbildung die höchsten berufsorientierten Abschlüsse. Wo hingegen das „nur“ absolut korrekt wäre, ist bei den Finanzausgaben, welche im Bildungsbericht allerdings nicht erwähnt werden. Während die Fachhochschulen beispielsweise 2.6. Milliarden Schweizer Franken erhalten, müssen sich die Höheren Fachschulen mit 325 Millionen zufriedengeben. Für die Studierenden bedeutet das: Sie müssen tiefer in die eigene Tasche greifen. Die Finanzausgaben stellen eine eklatante Ungleichbehandlung dar.

 

Ausgaben

Studierende

 

Universitären Hochschule*

8‘000 Millionen

eingeschrieben 148‘500

 

Fachhochschulen*

2‘600 Millionen

75‘000

Hochschulen

Pädagogische Hochschulen* 

657 Millionen

20‘500

 

 

 

 

 

Höhere Fachschulen**  

325 Millionen

29‘786

 

Vorbereitungskurse zu *** eidgenössische Prüfungen 

138 Millionen

Absolventen ca. 20‘000

Höhere Berufsbildung

* Bildungsfinanzen. Ausgabe 2018  ** Berufsbildung in der Schweiz Fakten und Zahlen 2017  *** Ab 2018 wird diese Summe höher ausfallen, da die Kurse mit 50% unterstützt werden.

Schlagwort „Akademisierung“

Der Bund schreibt in seiner Medienmitteilung zum Bildungsbericht: „Der Prozess der Tertiarisierung wird sich in der Schweiz fortsetzen, wenn auch in einer etwas abgeschwächten Dynamik. Gemäss Prognosen des BFS werden bis 2045 rund 60% der Bevölkerung einen tertiären Bildungsabschluss (Hochschule oder höhere Berufsbildung) aufweisen. 2015 lag dieser Anteil bei rund 40%.“ Aus dieser Aussage haben leider einige Medien die Tertiarisierung mit einer Akademisierung gleichgestellt. Das Unwissen darüber, was die Tertiärstufe in der Schweiz beinhaltet, ist leider weit verbreitet. Denn in der Schweiz unterscheidet man zwischen Tertiär A und Tertiär B, also zwischen akademischer (Hochschule) und berufsorientierter (Höhere Berufsbildung) Tertiärbildung. Doch worin liegen genau die Unterschiede?
Der erste und wichtigste Unterschied: Die Höhere Berufsbildung ist arbeitsmarktorientiert. Sie richtet sich also nach den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts. So sind beispielsweise die Rahmenlehrpläne der einzelnen HF-Bildungsgänge Co-Produktionen der Bildungsanbieter und der Organisationen der Arbeitswelt, die aus Berufsverbänden und Branchenorganisationen bestehen. Ausserdem wird die Tertiär B-Bildung stark durch den Bund gesteuert, da die Bildungsgänge ein Anerkennungsverfahren durchlaufen müssen.
Ganz anders sieht es bei den Hochschulen aus: Sie geniessen gemäss Bundesverfasssung die akademische Freiheit – unabhängig von den Arbeitsmarktbedürfnissen. Die Mitsprache durch Bund, Kanton und Organisationen der Arbeitswelt beim Bildungsangebot ist marginal.